Dienstag, 16 Januar 2018 12:00

WOW! So viel für nur EINEN Tag?

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WOW! So viel für nur EINEN Tag? ©Birgit Steinberger/photoINstyle

Hallo meine Lieben!

WOW! So viel für nur EINEN Tag?

Erst vor kurzem hörte ich diese Aussage von einer Dame, nachdem ich ihr den Preis für einen Tag Fotografie genannt hatte. Es handelte sich um eine Anfrage für Hochzeitsaufnahmen, welche ich eigentlich nicht mehr anbiete. Ich möchte dennoch beim Thema Hochzeiten bleiben, da sich damit die meisten gut auskennen und sich darunter mehr vorstellen können, als wenn ich von Werbefotografie spreche. Also, nochmal zurück zur Reaktion der Kundin: „Wow! So viel für nur EINEN Tag!“. Nun, in dieser Aussage hat sich bereits ein Fehlerteufelchen eingeschlichen. Wenn ich von Hochzeitsaufnahmen spreche, dann handelt es sich für den Fotografen nicht um ein EIN-Tagesprogramm. Noch lange bevor der EINE, große Tag gekommen ist, müssen im Vorfeld viele Dinge besprochen und vorbereitet werden. Das gilt natürlich genauso für Werbeaufnahmen oder Modefotoshootings.

 

Für alle die es interessiert, möchte ich hier mal zusammenfassen, worum ich mich als Fotografin so kümmern muss, wenn ich beispielsweise Hochzeitsaufnahmen machen würde.

  1. Erste Besprechung: Was will der Kunde? Hat der Kunde spezielle Vorstellungen für die Fotos? Es geht hier unter anderem um die gemeinsame Ideenfindung und dafür nehme ich mir viel Zeit, denn es sollen ja auch die Bilder von diesem großen Tag etwas Besonderes werden.

  2. Ablauf: Wer ist wo und wann? Das ist ebenfalls ein ganz wichtiger Punkt, denn basierend auf dem allgemeinen Zeitplan erfolgt auch die Zeiteinteilung für den Fotografen und eventuell für dessen Assistenz. Im Zuge dessen wird auch das Schlechtwetterprogramm besprochen, das heißt wo fotografiert werden soll, wenn die Sonne mal nicht scheint. „Nein, die scheint sicher“. Diesen Satz habe ich noch von fast JEDEM Kunden gehört, aber glaubt mir, es geht jeder mit einem bessern Gefühl hin, wenn man weiß, was man macht, wenn die Sonne eben mal nicht scheint. Vor allem auch für den Fotografen ist es angenehmer ;-), weil für Innenaufnahmen braucht man Licht bzw. Blitzlicht und das muss erst mal aufgestellt werden. Das hat dann natürlich Folgen für die Zeitplanung. Noch komplizierter wird es, wenn man zum Beispiel auf der Alm heiratet, denn was macht man, wenn es stürmt, der Wind einem um die Ohren bläst und es obendrein noch regnet? Glaubt mir, auf diese Fragen haben die meisten beim ersten Vorgespräch keine Antworten parat. Eines ist dennoch fix: Mann & Frau möchten auf den Fotos toll aussehen und damit ich als Fotografin dann am großen Tag nicht „ins Schwitzen“ komme, versuche ich immer im Vorfeld alle Eventualitäten zu berücksichtigen ;-). Wie ihr seht, wird allein schon in die Vorbesprechung und Planung einiges an Zeit investiert.

  3. Besichtigung vor Ort: Nachdem die wichtigsten Dinge mit dem Kunden besprochen wurden, ist es an der Zeit, sich die Lokalitäten anzusehen, das heißt: Hinfahren. Besichtigung. Woanders hinfahren. Besichtigung. Nochmals woanders hinfahren. Besichtigung. Mag sein, dass ich hier ein bisschen ausschweifend bin ;-), aber ich möchte auf die DAUER hinweisen. In der Regel gibt es 3 Orte bzw. Lokalitäten, die vorab besichtigt werden. Es wird überlegt, wo genau was passieren wird bzw. wo welche Fotos gemacht werden sollen. Es wird beispielsweise überlegt, wo man die „kleine, überschaubare“ Gruppe von 50 bis 120 Leuten hinstellt und fotografiert und wo die Aufnahmen vom Brautpaar und den Kindern gemacht werden sollen? Wenn das Brautpaar nach der Trauung fotografiert werden soll, sollte dies relativ weit weg von den Hochzeitsgästen geschehen, da sonst garantiert jeder vorbeikommt und gratuliert, egal ob gerade fotografiert wird oder nicht. Persönlich finde ich das ja total entzückend, aber leider verträgt sich das oft nicht mit der geplanten Zeiteinteilung, vor allem nicht mit jener des Brautpaares, da dieses im Normalfall seit den frühen Morgenstunden wach ist und irgendwann auch mal etwas essen möchte.

  4. Vorbereitung: Die Ausrüstung, also Akkus, Kameras, Licht, etc. müssen vorbereitet und eingepackt werden.

  5. Hochzeitstag: Wie ich vorhin schon erwähnt habe, sagen die Leute ja meistens: „Nein, es ist sicher schön und das wird schon alles passen“. Dazu möchte ich eine kleine Anekdote erzählen. Ich befinde mich auf dem Weg zum Hochzeitsfotoshooting. Es ist strahlend schön. Wundervoll! Bei so einem Wetter braucht man kein Licht aufzustellen. Ich muss hier dazu sagen, dass ich immer recht früh vor Ort bin, denn für den Fall, dass ich Licht aufstellen muss, brauche ich genügend Zeit. In meinem Beispiel befand sich das Schlechtwetterersatzprogramm im 1. Stock, ohne Lift, nur Stufen. Da war ich im ersten Moment schon froh, dass ich das Equipment vermutlich nicht brauchen würde. Die Freude darüber hielt aber nicht lange an, denn exakt zu dem Zeitpunkt, als das Fotoshooting starten sollte, gab es plötzlich so richtiges Aprilwetter mit starkem Regen, Wind und zwischenzeitlich Sonne, trotz des Regens. So, da war ich nun: ich, die Stufen und meine schwere Ausrüstung. Da hatte ich mich wohl zu früh gefreut :-). Trotzdem gut, dass es ein Schlechtwetterprogramm gab.

    Aber, nicht nur Regen kann für den Fotografen eine Herausforderung sein. Das Fotoshooting könnte auch an einem Tag mit brütender Hitze stattfinden, an dem dem Brautpaar und den Gästen die Schweißperlen im Gesicht stehen oder es könnte starken Wind geben. Viele sagen, dass man den Wind ja super ins Fotoshooting mit einbauen kann … Nun ja, das stimmt schon, sofern er aus der richtigen Richtung kommt, denn was ist, wenn die andere Seite vom Hintergrund her einfach nicht passt? Wer möchte schon Strommasten, eine hässliche Mauer oder Heuballen in „angesagten“ Rosa- bzw. Minttönen im Bild haben? Auch was die Frisur anbelangt verstehen vor allem die Damen keinen Spaß. Egal ob wallendes Haar, schöne Hochsteckfrisur oder schicker Kurzhaarschnitt, die Frisur sollte bis zum Schluss halten.

    Zum Glück gibt es aber auch die perfekten Tage für ein Fotoshooting mit Sonnenschein, nicht zu viel Hitze und kaum Wind. Aber, egal wie das Wetter ist, für den Fotografen bedeutet so ein Hochzeitsfotoshooting einen Arbeitstag von 10 bis 14 Stunden an dem er die ganze Zeit voll im Einsatz ist und das mit einem schweren Rucksack, vollgepackt mit der notwendigen Ausrüstung.

  6. Nach dem Hochzeitstag: Nachdem alle Daten „im Kasten“ sind, müssen diesen erst mal auf den Computer gespielt werden. In der Regel wird im RAW – CR2 Format fotografiert – also ich mache das zumindest so – d. h. die Fotos müssen ausgesucht werden und danach ins JPEG-Format umgewandelt werden. Nach dem Aussuchen werden Kontaktabzüge angefertigt, CDs gebrannt und bei der „Hochzeitsserie“ noch digital nachbearbeitet. Alles wird dem Kunden gezeigt und bei Bedarf noch einiges ausgebessert. Dann werden die CDs und die Kontaktabzüge an den Kunden geliefert und es wird nochmals alles besprochen. So ganz nebenbei werden dann auch noch die Glückwunschkarten angefertigt, bestellt und ausgeliefert.

Also, wie ihr seht, ist so ein Hochzeitsfotoshooting keine EIN-Tagesaktion. Es handelt sich vielmehr um eine ganze Woche Arbeit.

Egal ob es sich um Hochzeitsfotos oder um Werbefotografie handelt, das Fotografieren an sich ist „nur“ ein kleiner Teil! Die größte Aufgabe ist das ganze Drumherum: Vorbereitung, Ideenfindung, Besprechung, Besichtigung, usw.

Damit ihr auch noch seht, was bei einem eintägigen Fotoshooting so herauskommt, möchte ich euch noch ein paar Beispielfotos zeigen. Es handelte sich hierbei um ein Modefotoshooting für die Firma Moden Quehenberger in Abtenau, Salzburg. Auch hier wurde „nur“ einen Tag lang fotografiert, wobei der Aufnahmetag für mich 13 Stunden vollen Einsatz bedeutete. Im Vorfeld wurden die Örtlichkeit besichtigt, der Zeitplan erstellt und sonstige Vorbereitungen getroffen, was ca. 2 Tage in Anspruch genommen hat. Nach dem Fotoshooting mussten die Bilder ausgesucht und bearbeitet werden. Da es sich um ein Modefotoshooting handelte, musste ganz besonders auf die Farbrichtigkeit (Colour Management) geachtet werden. Alles in allem wurde zwar auch hier „nur“ einen Tag lang fotografiert, aber insgesamt waren es sieben Tage Arbeit.

Wenn man also ein professionelles Fotoshooting haben möchte, dann hat das auch seinen Preis. Natürlich hängt es stark davon ab, was genau der Kunde haben möchte. Aus diesem Grund ist es schwierig auf Anfragen, wie: „Was kostet ein Fotoshooting bei Ihnen?“, konkret zu antworten. Das wäre so, als würde ich beim Autohändler fragen: „Was kostet ein Auto bei Ihnen?“ oder beim Immobilienhändler: „Was kostet ein Haus bei Ihnen?“.

Eines ist aber sicher. Wenn man sich an einen professionellen Fotografen wendet, möchte man etwas BESONDERES, oder? Egal ob es sich nun um Hochzeitsfotografie oder Werbefotografie handelt, das Ziel ist es ja, dass ich von mir (und/oder meinem Unternehmen/Ehepartner, etc.) ein besonderes Foto erhalte. Man möchte eine Botschaft nach außen abgeben: „Schau doch mal, wie toll wir sind, wie gut wir aussehen, was wir besonderes machen, wie erfolgreich wir sind, …“ Wir wollen mit den Fotos TOLLE BOTSCHAFTEN und ERINNERUNGEN hinterlassen. Sagen wir mal, weil wir gerade beim Heiraten sind, auf ewig. Wie soll so eine Botschaft ohne Vorbereitung und Planung auf „Knopfdruck“ funktionieren?

 

 
Bildmotive und Auftraggeber: Fotografiert für Moden Quehenberger, Abtenau, Salzburg. GF Fr.Sabine Grünwald und Profimodel Fr.Hilde Winkler
 
 
Liebe Grüße
Birgit Steinberger und Alexandra Winkler

 

Alexandra Winkler, Tachenberg 29, 8943 Aigen im EnnstalDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.lebende-sprache.at, +43 664 122 96 77
Sprachdienstleistungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Finnisch        
                             
Birgit Steinberger,  MEISTERFOTOGRAFIN, Digitale Regionale Bilddatenbank, Aich 32, 8943 Aigen im Ennstal, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 
+43 676 / 73 9 83 53, www.photoINstyle.at, www.ennstalbilder.at
          

 

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